Ukraine, Energiekosten und Moral

Veröffentlicht am 13.03.2022 in Kreisverband

Die Reaktionen auf den Ukrainekrieg und den damit verbundenen Folgen auch für uns, bedienen nach meinem Eindruck oft nur zwei Extreme. Die einen fordern angesichts der Brutalität des russischen Überfalls und der Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung vehement den Stopp jeglicher Gas- und Ölimporte aus Russland, die anderen jammern mit der selben Vehemenz über die stark gestiegenen Preise an den Zapfsäulen.

Bezeichnend dafür war für mich eine Karikatur (das Wort traut man sich in diesem Zusammenhang kaum schreiben) aus zwei Bildtafeln: In der einen kauert eine Frau mit einem Kind auf dem Boden und schreit mit ausgestreckter Faust verzweifelt in den Himmel, aus dem Bomben fallen. Auf der zweiten schreit mit der gleichen Pose und ähnlicher Verzweiflung ein Autofahrer eine Zapfsäule an.

Ich kann mit beiden Extremen nichts anfangen.

Das laute Wehklagen über die Spritpreise kommt nach meiner Einschätzung sehr stark aus der Ecke der Diesel-Ritter, die den SUV als eine Art Gottheit verehren und jeden noch so kleinen Eingriff in ihre Anderthalb-Tonnen-Mobilität als Freiheitsberaubung ansehen. Diese Klientel ist mir fremd. Lasst sie jammern.

Gleichzeitig gibt es aber genügend Menschen, die bei sehr begrenztem Einkommen weit zur Arbeitsstelle fahren müssen und für die Rad oder ÖPNV eben keine Alternative sind. Klar kann man denen raten, am Wochenende doch mit dem Fahrrad zum Bäcker zu fahren, aber das ändert wenig bis nix an deren schwierigen Situation. Gleiches gilt für die alte Frau mit schmaler Rente angesichts der exorbitant steigenden Heizkosten.

Vor diesem Hintergrund ist es dann auch nicht ganz überraschend, dass die aus moralischer Sicht völlig verständlichen Forderungen nach einem sofortigen Stopp aller Gas- und Ölimporte aus Russland dann eben auch aus der Ecke derer kommen, denen das nicht ins blanke Existenzminimum schneidet.

Die Situation ist, wie sie ist: Wir haben uns zu stark von den fossilen Rohstoffen allgemein und denen aus Russland im Besonderen abhängig gemacht. Das nutzt Putin brutal und kaltschnäuzig aus. Diese Abhängigkeit können und werden wir überwinden, aber das wird dauern. Wirtschaftsminister Habeck hält es für machbar, bei Öl und Kohle bis Jahresende von Russland loszukommen. Bei Gas wird es länger dauern, weil wir keine Flüssiggasterminals haben. Das übrigens aus einst gutem Grund: Flüssiggas ist meist Frackinggas.

Guter Plan, aber hilft kurzfristig halt nix gegen die exorbitanten Energiekosten.

Sehr laut hört man die Forderung nach Steuersenkungen beim Sprit. Da gibt es von mir ein sehr klares Nein. Das hilft vor allem wieder den oben genannten SUV-Rittern. Es ist Gieskanne pur und es ist ohnehin fragwürdig, ob solche Senkungen überhaupt an den Verbraucher weitergegeben werden. Ölmultis sind eher gierig, der größere Teil der bisherigen Preissteigerungen kommt genau von dieser Gier und gar nicht mal vom Ukrainekrieg.

Ich hielte es für besser, wenn wir die, die es benötigen, als Sofortmaßnahme direkt unterstützen. Das kann man über das von den Grünen ins Spiel gebrachte Energiegeld machen. Vielleicht ist etwas anderes sinnvoller, das kann ich nicht entscheiden. Wichtig ist mir: Wir müssen die finanziell schwachen unterstützen, die anderen dürfen ruhig über ihren Energieverbrauch nachdenken.

Was uns unmittelbar zu einem Evergreen bringt, denn selbstverständlich würde uns ein Tempolimit beim Spritverbrauch sofort helfen. Vielleicht sind wir da vorübergehend mal so richtig hart: 80 km/h auf Landstraßen und 100 km/h auf Autobahnen! Tempo 30 innerorts sowieso und dauerhaft. Das Ganze dann garniert mit ein paar autofreien Sonntagen. Gab es ja auch schon mal, aber das wäre heutzutage in diesem Land wohl zu viel der Vernunft. Schade eigentlich.

Was wir aber nun hoffentlich verstanden haben (huhu, FDP, dich meine ich): Wir müssen in unserer Energieversorgung endlich auf EU-Ebene weitgehend autark werden und das auf der Basis von erneuerbaren Energien. Wir haben genug Wind, wir haben genug Sonne. Es ist nicht ein Frage des Könnens, es ist ausschließlich eine Frage des Wollens.

Und bleibt mir fort mit dem Kostenargument.

Oswald Prucker

 

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