Lothar Binding zu Besuch in Bad Krozingen

Veröffentlicht am 05.02.2025 in AG 60plus

Am 03.02.2025 war Lothar Binding, der Bundesvorsitzender der SPD AG 60 plus zu Besuch in Bad Krozingen, er war viele Jahre der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Am Nachmittag fand ein Gespräch mit den Leitungen dreier Pflegeeinrichtungen und dem Bundestagskandidaten Julian Wiedmann statt. Dabei konnte viel über die Situation in der Pflege und ihre Zukunft, mit dem besonderen Blick auf die Finanzlage und personelle Engpässe in Folge der demographischen Entwicklung ausgetauscht werden.

Die Notwendigkeit für eine Pflegevollversicherung und einer dringenden Anpassung der strukturellen Ausstattung und Finanzierung der Einrichtungen und die Erleichterung bei Zuwanderung und Ausbildung von Pflegekräften wurde übereinstimmend festgestellt.

Am Abend folgte eine öffentliche Vortragsveranstaltung zum Thema „Achtsam sein – alle Generationen im Blick“.

Sigrid Hilfinger, Kreisvorsitzende der SPD AG 60plus hatte den Besuch organisiert und übernahm die Begrüßung der Gäste, Thomas Thürling, Stadtrat und Co-Vorsitzender der SPD Bad Krozingen- Hartheim übernahm die Moderation der Veranstaltung“, die Julian Wiedmann, Kandidat des hiesigen Bundestagswahlkreis, angeregt hatte.

Binding sprach zunächst über Julian Wiedmann und wie wichtig es sei „politisch aktiv zu sein – aber niemals technokratisch, sondern stets empathisch, also mit Einfühlungsvermögen“, eine Eigenschaft, „die Wiedemann von der Pike auf in der Gewerkschaft ver.di gelernt habe, so Binding.

Es sei sehr wichtig, sich heute bei allen politischen Entscheidungen mit Empathie, mit Einfühlungsvermögen die Lebenslagen der Menschen im Land bewusst zu machen – vor der jeweiligen Entscheidung. Ein Gedanke, der Lothar Binding, auf seiner Tour durch Deutschland, die ihn auch nach Bad Krozingen geführt hatte, begleite.

Auch das Thema Generationengerechtigkeit erfordere Empathie und führe schnell zu den Fragen: Gibt es das überhaupt? Und wo gibt es Ungerechtigkeiten zwischen den Generationen?

Was die Nachkriegsgeneration vorgefunden hat, war ein zerstörtes Deutschland – sowohl hinsichtlich der Infrastruktur als auch der Zerstörung jeglicher ethisch-moralischer, menschlicher Kategorien durch den Nationalsozialismus, durch Nazis. Seither ist viel passiert. Der Aufbau sei gut gelungen, die Produktivität der Gesamtgesellschaft wurde enorm gesteigert. Die Demokratie über viele Jahrzehnte stabilisiert. „Das ist das Gute, eine große Leistung der Nachkriegsgeneration“, so Binding. „Das Schlechte ist, dass erstens für den Aufbau sehr viel Kohle, sehr viel Gas, Öl und Uran, eben viele endliche Ressourcen verbraucht wurden – mit den schlimmen Folgen für das Klima infolge der CO₂-Emissionen. Zweitens haben wir nicht genug auf die Bildung geachtet, die Sprache wird rauer, durch digitale Kommunikation und Individualisierung geht Gemeinschaftssinn verloren, Demokratie gerät unter Druck und Skrupellose oder Geldreiche strecken die Hände danach aus“

Das Gute im Schlechten sei die enorme Produktivität und der Erkenntnisgewinn über die Fehler in der Vergangenheit, die es inzwischen leicht machen, das Klima zu schützen, indem wir einerseits die Industrielandschaft, also unser Leben, die Produktion und Gebrauch von Gütern klimagerecht, also nachhaltig organisieren, andererseits die Bildungsanstrengungen gravierend verstärken.

Binding stellt eine These der AG SPD 60 plus vor: „Alter schafft Zukunft“ gelte für jedes Alter. Eine Mutter, die nach zwei Jahren erfolgreich für einen Krippenplatz gekämpft hat, braucht ihn nicht mehr – er dient der nächsten Krippengeneration. Ein Jugendlicher, der nach vier Jahren erfolgreich für eine Disco am Ort gekämpft hat, ist zur Arbeit oder zu Studium schon lange weggezogen, bevor sich die nächste Jugendgeneration dort trifft.

Seniorinnen und Senioren, die für die Sichtbarkeit im Alter kämpfen, für die Sichtbarkeit in der Straßenbahn, in Bebauungsplänen, in sozialen, kulturellen, sportlichen Vereinen, Sichtbarkeit in Initiativen und auch in Gesetzen und Verordnungen, denken an ihre Kinder und Enkel und Urenkel – sie denken an ihre Zukunft.

Das künftige Zusammenleben der Generationen werde stark davon geprägt sein, wie wir das bürgerschaftliche Engagement und die Wirtschaftskraft Älterer würdigen, wie wir Kultur und Pflege wertschätzen, sowie die Betreuung älterer gesellschaftspolitisch vorbereiten. Unsere Zukunft wird auch davon bestimmt sein, wie wir mit der Erfahrung Erfahrener umgehen.

Binding warnte auch vor der „demographischen Denkfalle“. Wer sich auf die Betrachtung der Anzahl junger Menschen im Verhältnis zur Anzahl älterer Menschen reduzieren ließe, „geht einer Reihe unterschiedlicher Mythen auf den Leim“, so Binding, „Mythen, die sich leicht entzaubern lassen“. Ein typischer Mythos: „Die Alten saugen die Jungen aus“ Binding erläuterte mit Flipchart und seinem Markenzeichen, dem Zollstock, dass dieser Mythos davon ablenken soll, dass es kein Problem zwischen Jung und Alt gibt, sondern ein Problem zwischen reich und arm.
Er lenkte dabei den Gedanken auf die Produktivität, die sich seit seiner Jugend verzehnfacht habe. Mit zehnfach höherer Produktivität, sofern nicht von wenigen ausgeplündert, können sich die wenigen jungen Leute von heute noch mehr Rentnerinnen und Rentner leisten.

Lothar Binding gelingt in beeindruckender Weise komplexe Zusammenhänge einfach und bildlich zu erklären. Mit seiner offenen und humorvollen Art wird auch so manches kompliziert und langwierig erscheinendes Gesetzgebungsverfahren in Berlin nachvollziehbar. Vieles davon kann man sich auch auf Youtube oder seinem Instagram Kanal ansehen.

Der Abend verging wie im Flug, bemerkt Thomas Thürling in seinem Schusswort, nicht ohne sich beim Referenten mit einer Wegzehrung für den Heimweg zu bedanken und zu einem erneuten Besuch einzuladen.

 

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