Gut angelegte 49 Euro

Veröffentlicht am 23.10.2022 in Kreisverband

Die Landesregierung hat sich vorgenommen, die im ÖPNV „jährlich gefahrenen Personenkilometer bis 2030 zu verdoppeln“. Das ist ein hehres Ziel, das nicht erreicht werden wird und das will ich Grün-schwarz auch gar nicht vorwerfen. Immerhin aber bekommt Verkehrsminister Hermann jetzt Unterstützung vom Bund und das in der Form des 49-Euro-Tickets. Verkehrspolitisch ist das eine sinnvolle Maßnahme und das will ich im Folgenden begründen.

Das Ticket ist in der Tat günstig, denn es ist sogar noch günstiger, als unsere Regiokarte. Die kostet mindestens 62,50 Euro und ist damit fast 30% teurer. In anderen Tarifverbünden ist der Unterschied mitunter um ein Vielfaches größer. Damit trägt dieses Ticket eindeutig dazu bei, den ÖPNV attraktiver zu machen. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass die Attraktivität und Akzeptanz weniger stark mit dem Fahrpreis zusammenhängt, sondern sehr deutlich von der Verbindungsqualität dominiert wird. Da gibt es noch sehr viel zu tun.

Wenn ich schreibe, das Ticket sei günstig, dann meine ich damit nicht sozial. Niemand, der im Wesentlichen von 500 Euro Grundsicherung lebt, kann zehn Prozent dieses Geldes für Mobilität ausgeben. Schon gar nicht, wenn das nur im Abo geht und die Kosten damit jeden Monat wieder fällig werden. Wie ihr wisst, setzt sich die Kreistagsfraktion seit Jahren für ein Sozialticket ein und diesen Kampf werden wir so fortsetzen müssen.

Zum zweiten großen Vorteil des 49-Euro-Tickets: Es gilt überall. Bodo, DING, HNV, HTV, KVSH, KVV, naldo, OAM, RVF, RVL, TGO, TUTicket , VGC, VGF, VHB, VPE, VRN, VSB, VVR, VVS, WTV – so heißen die 21 Verkehrsverbünde allein in Baden-Württemberg. Ein Flickenteppisch mit eingebautem Tarifchaos ohnegleichen und ein großes Ärgernis für alle, die über die Bereichsgrenzen pendeln müssen. Die Verringerung der Zahl der Verkehrsverbünde war ein wichtiges Ziel im Programm der SPD für die letzte Landtagswahl. Nun räumt der Bund dieses Problem quasi komplett ab und die Verbünde können sich auf die Organisation der Strecken und des Fahrplans konzentrieren. Ich selbst werde diesen Vorteil eher nicht so auskosten können, aber die übergreifende Gültigkeit war nach allen Auswertungen einer der wichtigen Vorteile des 9-Euro-Tickets.

Fazit: Das 49-Euro-Ticket ist ein wichtiger Baustein für die Mobilitätswende - weg vom Auto und hin zum ÖPNV. Ich freue mich sehr über diese Entscheidung. Was aber fehlt, ist eine soziale Absicherung über ein Sozialticket. Der noch wichtigere nächste Schritt ist der konsequente Ausbau des Angebotes. Das haben die Grünen versprochen und das funktioniert bislang nicht wirklich. Gut gemeinte und wichtige Vorhaben wurden sehr unzureichend umgesetzt – siehe Breisgau-S-Bahn. Und bei den Bussen lässt Stuttgart die Kommunen und Kreise ganz im Stich. Muss da auch erst wieder der Bund eingreifen?

Oswald Prucker

 

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