Christoph Bayer, MdL (SPD): Für die Kleinsten die Besten

Veröffentlicht am 21.02.2008 in Landespolitik

Für die Kleinsten die Besten

"Für die Kleinsten die Besten". Über diese Forderung diskutierten dieser Tage in Schallstadt auf Einladung des Landtagsabgeordneten Christoph Bayer Prof. Dr. Norbert Huppertz von der pädagogischen Hochschule Freiburg, Bärbel Seidl-Beckmann von der Fachschule in Lörrach, Frank Jansen vom Verband katholischer Tageseinrichtungen und Nora Beck, eine Absolventin des ersten Bachalostudiengangs "Erziehung in früher Kindheit".

Prof. Dr. Norbert Huppertz begrüßte die Aufbruchstimmung die im Land bei der Umgestaltung der Elementarbildung herrsche. "Ich halte den Orientierungsplan für sehr gelungen, bezweifle aber, dass der unter den gegebenen Umständen in den Kindergärten überhaupt umsetzbar sein wird", meinte Huppertz. Die Erzieherinnen seien als Frühpädagoginnen nötig und wichtig. Um die immer weiter steigenden Aufgaben zu bewältigen, müssten aber klare Erziehungsanforderungen und vor allem ein klarer Bildungsbegriff formuliert werden, so der Professor. Interdisziplinäres Arbeiten, diagnostische Ausbildung seien ebenso unverzichtbar wie eine Veränderung der Aus- und Fortbildung. Die Struktur der Ausbildung müsse sich generell verändern und sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Alle bisherigen Ausbildungsgänge würden gebraucht, dringend notwendig aber sei eine Kooperation der verschiedenen Ausbildungsformen. Damit könne auch eine dringend notwendig Statusaufwertung des Erzieherinnenberufs erreicht werden. Prof. Huppertz riet den Erzieherinnen zum Zusammenschluss um gemeinsam Druck in der Öffentlichkeit und der Politik zu machen.

Bärbel Seidl-Beckmann stellte fest, dass die Erzieherinnen ihre Arbeit unter einem enormen Reformdruck verrichten müssten. Das bisherige Erziehungsbild habe sich durch den neuen Bildungsbegriff total verändert. Beobachtung und Diagnostik müssten verstärkt eingesetzt werden. Hier müsse Fortbildung ansetzen. Fachhochschulen und PH ersetzen die Fachschule nicht, sie ergänzen sie, meinte die Fachschullehrerin. An die Erzieherinnen würden inzwischen ganz andere Anforderungen gestellt, als es ihre Ausbildung vorsah. Sie müssten sich im Kindergarten um die Kinder unter 3 Jahren kümmern, sollen Integrationsarbeit leisten, Sprachförderung betreiben und zunehmend Familienarbeit mit Problemeltern machen. "Bei all diesen neuen Anforderungen wurde der Rahmen der Fortbildung aber nicht verändert", reklamierte Seidl-Beckmann.

Frank Jansen vom Verband kath. Tageseinrichtungen sieht in der grundsätzlichen Akademisierung der Erzieherinnen-Ausbildung keine Zukunft. An einer soliden, erweiterten Fachschulausbildung müsse festgehalten werden. Auch er sieht die Umsetzung des Orientierungsplans unter den gegebenen Bedingungen als problematisch. Sie werde sich sicher länger hinziehen als vorgesehen. Die erste Fortbildungseinheit werde wohl erst 2012 beendet sein.

Nora Beck berichtete von ihrem Studium, in das sie viel Zeit und Geld investiert habe. Allerdings würde sie trotz Erkenntnis- und Kompetenzzuwachs nach wie vor auf derselben Stelle mit der gleichen Bezahlung, wie vorher arbeiten.

In der lebhaften Diskussion waren sich Referenten und Erzieherinnen in den Forderungen einig: Neben der Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen müsse insgesamt mehr Geld in die Hand genommen werden, um die gesamte Struktur der Elementarbildung nachhaltig zu verbessern. Der Status des ErzieherInnenberufs müsse aufgewertet werden. Die Bezahlung müsse der der Lehrerinnen und Lehrer angeglichen werden, nicht zuletzt deshalb, damit auch mehr Männer diesen Beruf wählten. Kindergartenleiterinnen müssten von der Gruppenarbeit befreit werden und die Gruppen sollten mit max. 18 Kindern und 2 ErzieherInnen gebildet werden. Während der Fortbildungszeit müssten Ersatzkräfte eingesetzt werden, damit eine kontinuierliche Erziehungs- und Bildungsqualität gewährleistet sei.

Das Resümee des Abgeordneten ging in die gleiche Richtung: "Ohne eine differenzierte und deutlich erweiterte Aus- und Fortbildung können wir den steigenden Anforderungen der Frühpädagogik nicht gerecht werden" meinte Bayer und warnte vor einer Reform im Schneckentempo: "Das Fenster für Veränderungen ist offen, es muss schnell gehandelt werden, bevor der Wind des demografischen Wandels oder bildungspolitische Fehleinschätzungen diese Reformfenster zuschlägt" Noch vor den Sommerferien wird der Abgeordnete in einem mehrtägigen Praktikum in einem Kindergarten seine Einschätzungen vor Ort überprüfen.

 

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