100 Jahre Christopher Street Day Freiburg

Veröffentlicht am 28.06.2023 in Kreisverband

Brauchen wir in 100 Jahren noch einen CSD?

Traditionsbewusst und grundsolide, so lautet das Motto des diesjährigen Christopher-Street-Days in Freiburg. Und dieses Motto könnte nicht treffender und passender sein. Der erste CSD war der sogenannte Stonewall-Aufstand oder Stonewall-Unruhen und keine bunten, fröhlichen Paraden, so wie wir sie heute kennen, aber vor gut 50 Jahren sah die Welt ja auch noch ganz anders aus.

In der Nacht vom 28. Juni 1969 fand eine Razzia im „Stonewall Inn“ statt, in der vor allem queere Personen das Zielpublikum waren. Die Bar befand sich in der Christopher Street. Es kam zu schweren Konflikten zwischen LGBT-Personen und Polizeibeamten. Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu gewalttätigen Razzien in „Schwulenlokalen“. Dabei wurde unrechtmäßig die Identität der Besucher festgestellt und diese auch verhaftet und angeklagt wegen „anstößigem Verhalten“. Die Polizeibeamten misshandelten außer­dem feminin gekleidete Männer während den Razzien oder verletzten Besucher:innen der Bar schwer. Die Krawalle dauerten drei Tage an. Es kam zu massiven Verletzungen, Sachbeschädigungen und Festnahmen. Aufgestauter Zorn und Empörung entluden sich. Anwohner:innen unterstützen die Unruhen, sie selbst waren empört über die Art, wie Polizeibeamte die queere Community behandelte.

Und hier nahm alles seinen Lauf. Die ersten Organisationen und Gemeinschaften bilde­ten sich und schnell wurde in anderen Ländern mitgezogen.
Im folgenden Jahr war dann der erste CSD. Zwischen 5.000 und 10.000 Menschen nahmen daran teil.

Und heute finden sich immer noch viele Menschen bei den CSDs in den unterschied­lichsten Städten ein.

Und das ist auch gut so.

Bis heute werden Menschen, die Teil der LGBTQIA+ Community sind, verfolgt, einge­sperrt oder sogar getötet. Regelmäßig gibt es Selbsttötungen. Es gilt weiterhin für sie oft nicht das gleiche Recht. Es gibt Studien, die belegen, dass die Suizidrate bei queeren Jugend­lichen im Vergleich zu heterosexuel­len Jugendlichen stark erhöht ist, vier bis siebenmal sogar.

Zuletzt gab es beim CSD in Hannover einen Angriff auf vier queere Jugendliche. Ein 17-jähriger Trans-Mann musste daraufhin sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden. Alleine in Deutschland gab es dieses Jahr bisher 14 Menschen, die homophob oder transphob beleidigt oder verletzt wurden (offizielle Statistik). Die Dunkelziffer ist höher.

International beschäftigte die LGBTQIA+ Community natürlich der Fall rund um Brianna Ghey, ein 16-jähriges Trans-Mädchen, dass von zwei 15-jährigen in einem Park in Warrington (Vereinigtes Königreich) aufgrund ihrer sexuellen Identität erstochen wurde. Dieser Fall spielte sich im Februar dieses Jahres ab, rund ein halbes Jahr, nachdem in Colorado Springs (USA) ein Rechtsextremer in einer queeren Diskothek eine Schießerei begann und dabei fünf Personen tötete und 25 verletzte.

Durch die CSDs erhöhen wir die Sichtbar­keit von LGBTQIA+ und machen auf sie aufmerksam. Wir setzen ein Signal für eine solidarische und gerechte Gesellschaft. Vielfalt und Akzeptanz kann diese Gesell­schaft nur bereichern. Es sind Menschen­rechte, für die auf die Straße gegangen wird. Nur, wenn wir es schaffen, Toleranz durchzusetzen, ermöglichen wir gesellschaftliche Normalität.

Aktuell sind queere Menschen, egal ob in den USA oder hier, zur Zielscheibe von rechtem Populismus geworden. Die Gefahr, alle erkämpften Rechte zu verlieren, ist hoch und das gilt es zu verhindern.

Laura Petralito

Info: LGBTQIA+ steht für Lesben, Gay (schwul), Bisexuell, Trans, Queer, Intersexuelle, Asexuelle, alle weiteren sexuellen Identitäten. Unsere Fotos zeigen unsere Jusos beim CSD 2023 in Freiburg.

 

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