Flagge zeigen

Veröffentlicht am 01.04.2017 in Veranstaltungen

Vor wenigen Tagen eröffnete die AfD ihren Bundestagswahlkampf für den Wahlkreis Freiburg in Breisach. Eine bunte Truppe verschiedener Organisationen organisierte eine Kundgebung gegen die Nationalisten. Auch unsere Vorsitzende Birte Könnecke zählte zu den Rednern.

"Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, liebe Demokratinnen und Demokraten,

ich bin sehr froh, dass ich hier heute reden darf.

Flagge zeigen gegen Rechtspopulimus, Rechtsextremismus und Nazis sollte jeder anständige Mensch zu jeder Gelegenheit tun.

Letzte Woche erst jährte sich zum 84. Mal die Rede von Otto Wels im Reichstag. Die letzte freie Rede vor der endgültigen Nazidiktatur. In der er begründete, warum die SPD geschlossen nicht für Hitlers Ermächtigungsgesetze stimmen wird. Der Satz: „ Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ markiert hierbei den Höhepunkt der wohl mutigsten Rede, die jemals im Reichstag gehalten worden ist.

Obwohl die NSDAP damals nicht die erforderliche Mehrheit hatte, war der Sitzungssaal mit Hakenkreuzfahnen geschmückt, die Abgeordneten wurden von uniformierten SS- und SA-Leuten eingeschüchtert, die Angehörigen der kommunistischen Partei und etwa ein Viertel der Sozialdemokraten waren bereits verhaftet oder vor drohender Verhaftung untergetaucht.

Es war ein mutiges Zeichen des Widerstands, dass die SPD-Fraktion bei der namentlichen Abstimmung geschlossen mit Nein stimmte. Als einzige. Obwohl sie wussten, dass sie das Gesetz damit nicht verhindern können. Und das ist genau das Problem. Wenn die Zeit gekommen ist für solche Heldentaten, die viele von ihnen mit dem Tod bezahlt haben, ist es zu spät.

Dieses Übel muss bekämpft werden, wenn es auftaucht und nicht erst, wenn es sich etabliert hat.

Das Gefährliche an der AfD ist, dass es so schwerfällt diese Gurkentruppe ernst zu nehmen. Schon über die Werbeplakate für die heutige Veranstaltung musste ich herzlich lachen. „Du vertraust den anderen nicht? Vertrau uns. Hier ist unsere Kontonummer.“

In den Landesparlamenten, in denen sie sitzen, fallen sie höchstens durch Kaspereien, wie Fraktionsspaltungen und Wiederversöhnungen, Wahlunregelmäßigkeiten und persönliche Streitereien und nicht durch politische Arbeit auf.

Wenn eine der etablierten Parteien sich so etwas leisten würde, gäbe es einen Riesenskandal. Bei der AfD dagegen fallen einzelne Fehler überhaupt nicht ins Gewicht, da die Partei ein einziger Fehler ist. Da ähnelt sie Trump.

Und genau wie bei Trump, würden sich die Wähler verwundert die Augen reiben, wenn diese Schande jemals in Regierungsverantwortung käme. Dort ist es: wie, der will meine Krankenversicherung abschaffen. Das hab ich nicht gewollt. Oder: Ich dachte, der schiebt nur kriminelle Mexikaner ab, mein Mann ist zwar illegal hier, aber wieso soll der plötzlich abgeschoben werden? So wollte ich das nicht. Hier wäre es dann: Geil, die sind gegen den Mindestlohn. Aber wieso verdien ich jetzt plötzlich weniger?

Klimawandel leugnen (Fracking statt Windenergie… ernsthaft jetzt?), Homosexuelle diskriminieren, Frauen zu Gebärmaschinen degradieren (ich hab selbst 3 eigene Kinder und 1 Pflegekind und darüber bin ich sehr froh. Aber ich lass mir doch nicht vorschreiben, wie viele Kinder ich zum Wohle des deutschen Volkes zu gebären habe. Mein Körper gehört mir!), Pressefreiheit einschränken (am liebsten vermutlich gleich ganz abschaffen), Wehrpflicht wieder einführen und die Geschichtsbücher umschreiben, weil ja Nazidiktatur nicht so hübsch klingt. Das sind nur einige der wirren Vorstellungen, die täglich abgesondert werden. Auch hier sind durchaus Ähnlichkeiten mit Persönlichkeiten wie Trump oder Erdogan erkennbar.

Die Anhänger der AfD haben kein Verständnis für´s Grundgesetz, keinen Respekt vor der Demokratie und sind so engstirnig, dass ihnen eine offene, tolerante Gesellschaft Angst macht.

Wer den Klimawandel leugnet und Atomkraftwerke weiter laufen lassen will, offenbart dass ihm nachfolgende Generationen am Allerwertesten vorbeigehen.

Und dass ist die hässliche Fratze dieser „Wir sind das Volk“ Brüller: purer Egoismus. Es geht ihnen nicht um die Menschen in Deutschland. Rentner, Arbeitslose, Alleinerziehende, Ausländer eh, alle sollen schlechter gestellt werden. Es geht ihnen ausschließlich um sich selbst. Um sich auch als Loser groß fühlen zu können, werden alle anderen als minderwertig abgestempelt. Wenn ich mir die Vertreter dieser selbsternannten Herrenrasse anschaue, kommt mir das Grausen.

Die Welt wird immer kleiner und die Probleme immer globaler. Wenn wir den Klimawandel, die Ausbreitung von Seuchen, Wasser- und Nahrungsmittelknappheit, religiösen Fanatismus, ungleiche Bildungschancen und so weiter nicht gemeinsam bekämpfen und in den Griff kriegen, werden auch noch so hohe Zäune nichts nutzen. Die Menschen werden zu uns kommen. Sie haben keine Wahl.

Wir leben hier derzeit auf einer Insel der Glückseligkeit. Nicht weil wir besser sind, sondern weil wir bei unserer Geburt mehr Glück hatten.

Zurück zu mehr Nationalismus ist ein Weg in die Sackgasse.

Derzeit sehen die Umfragen die AfD auf dem absteigenden Ast, zum Teil gerade noch bei 7%. Lasst uns alles tun, dass es bis September noch gut 2% weniger sind.

Lasst uns zusammenstehen für die Art von Gesellschaft, in der wir leben wollen.

  • Toleranz statt Diskriminierung
  • Solidarität statt Egoismus
  • Europa statt Nationalismus
  • Gleichberechtigung statt „Frauen an den Herd“
  • Zukunftsorientiert statt Rückwärtsgewandt
  • Miteinander statt Gegeneinander

Vielen Dank!"

 

Homepage SPD Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald

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